Zeit(zonen) heute und „damals“

Zeitzonen-Bahnhof-Melbourne

Zeitzonen am Bahnhof in Melbourne, Australien

Obwohl Zeit für uns so ungreifbar ist, wir nur das in Erinnerung behalten, was in ihr geschieht, aber nie die Zeit an sich, haben wir, die Menschen schon sehr früh versucht die Zeit zu messen und in Einheiten einzuteilen.

Zeit ist relativ. Eins der weithin bekannten Beispiele hierfür ist, wie schnell die Zeit für einen persönlich vergeht, je nach dem auf welcher Seite der Badezimmertüre man sich befindet. Die Zeit kann man auf beiden Seiten der Türe mit den gleichen Einheiten messen, genau so, wie es Weltweit gemacht wird. Ein Stunde in Australien ist genau so lang, wie eine Stunde in Deutschland, aber während hier die Tagstunden sind, sind in Australien die Nachtstunden. Wir befinden uns in unterschiedlichen Zeitzonen.

In Zeiten der Globalisierung haben wir uns an die Verteilung der Zeitzonen auf der Erde gewöhnt. Noch vor 130 Jahren sah diese Verteilung ganz anders aus. In Deutschland hatten viele Städte ihre eigenen Zeitzonen. Heute liegt ganz Deutschland in einer Zeitzone. Dadurch geht im Osten die Sonne früher auf, als im Westen. Vor 130 Jahren konnte die Sonne in Berlin zwar effektiv früher aufgehen, als in Bonn, die Zeiger auf dem Zifferblatt einer Uhr konnten aber zur Zeit des jeweiligen Sonnenaufgangs auf derselben Position stehen. Viele Städte hatten eigene Zeitzonen. Es wurde sich nach dem Sonnenstand gerichtet, der Mittags am höchsten war und 12 Uhr markierte. 12 Uhr mittags war also in Bonn ein paar Minuten später als 12 Uhr mittags in Berlin. Für das tägliche Leben der Menschen in den einzelnen Städten hatte erst einmal nicht so viel ausgemacht, solange das tägliche Leben einen in der eigenen Zeitzone hielt. Allerdings konnte die nächste Zeitzone mancherorts schon durch das Durchschreiten der Stadttore erreicht werden. Es tangierte somit nur diejenigen, die zwischen den Städten und Zeitzonen unterwegs war und aus das Chaos mit dem Uhrumstellen sowieso vorbereitet sein sollten.

Mit der Verbessrung der Transportmittel, vor allem dem Ausbau des Eisenbahnnetzes in Europa, wurden die verschiedenen Ortszeiten zunehmend zum Problem und sorgten gerade an Bahnhöfen für Verwirrung. Eisenbahngesellschaften in Europa hielten sich zwar ab Mitte des 19 Jahrhunderts nach und nach an gleiche Zeiten, allerdings jede an ihre eigene. Die englischen Eisenbahngesellschaften hielten sich  fast alle an die Greenwich Mean Time, die niederländischen Eisenbahngesellschaften an die Amsterdamer Zeit, die belgischen an die Brüsseler Zeit und die deutschen Eisenbahnen entweder an de Berliner, Münchener, Stuttgarter, Karlsruher oder Ludwigshafener Zeit. Trotz Markierungen an den Strecken anhand derer die Reisenden ihre Uhren auf die jeweiliger Ortszeit umstellen konnten, und genauen Tabellen mit den verschiedenen Zeitzonen, ist das Problem mit der Zeit doch deutlich zu erkennen.

Für Deutschland und Teile Europas wurde das Tohuwabohu mit den Ortszeitzonen am 1. April 1893 beendet, als die mitteleuropäische Zeit im gesamten deutschen Reich und Teilen Europas verbindlich für alle eingeführt wurde. Nach und nach schlossen sich noch weitere Teile Europas dieser Zeit an.

Seit der Einfügung der mitteleuropäischen Zeit hast sie das Transportwesen allerdings wieder weiter entwickelt, sodass man in weniger als einem Tag in Australien sein kann. Dabei kommt man genauso wenig darum herum sich einer anderen Zeitzone anzupassen, wie wenn man vor 130 Jahren aus manchem Stadttor trat.

Übrigends gibt es heute immer noch eine Eisenbahngesellschaft, die durch acht Zeitzonen hindurch immer nach einer Zeit fährt. Die staatliche russische Eisenbahngesellschaft, die die Transsibirische Eisenbahn betreibt, hat ihre Fahrpläne nach Moskauer Zeit ausgerichtet. An den meisten Bahnhöfen werden die Bahnhofsuhren ebenfalls nach Moskauer Zeit gestellt, auch wenn der Zeitunterschied zu Ortszeit mehrere Stunden beträgt. Allerdings verwenden die Vorortzüge mancherorts in ihren Fahrplänen die jeweilige Ortszeit. Ein e Uhr mit Ortszeit und ein mit Moskauer Zeit schaden in Russland beim Bahnfahren also nicht, auch wenn sich das heute, im Gegensatz zu mehreren Taschenuhren von früher, mittels Smartphone auf zwei Anzeigen in einem kleinen Gerät erreichen lässt.

Silberne Grüße,
Runa

Weitere Informationen:

Zur Entstehung der mitteleuropäischen Zeit: http://www.zeit.de/1993/13/eine-uhr-fuehrs-ganze-reich
Zur Zeit: http://www.geschichte-der-zeit.de/zeitzonen-universalzeit.html
Noch mehr über Zeit: Das Zeitbuch: Fragen zur Zeit vor einem neuen Jahrtausend
Zeitzonen Transibirische Eisenbahn: http://www.trans-sib.de/catalog.htm#time

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