Warum blühen manche Pflanzen ohne danach Samen auszubilden?
Oder: Wie heißt Deine Teetasse?

Rhododendron - Warum blühen manche Pflanzen ohne danach Samen auszubilden?<br>Oder: Wie heißt deine Teetasse?

Wachsen an Rhododendren Früchte?

Die Blütezeit der Rhododendren ist immer eine schöne Zeit, die jetzt leider für dieses Jahr schon wieder so gut wie beendet ist. Dieses Jahr war diese Blütezeit ein besonderes Ereignis für mich, den sie hat in mir eine Frage aufgeworfen, die ich mir trotz Biologieunterricht in der Schule und nach einem abgebrochenem Biologiestudium nicht beantworten konnte: Wozu blühen überhaupt manche Pflanzen, wenn sie trotz Bestäubung durch Insekten gar keine Früchte tragen? Warum sollte eine Pflanze den energetischen Aufwand betreiben und Blüten ausbilden, wenn es ihr am Ende nicht zur Fortpflanzung nützt? Bei Holunder beispielsweise ist der Übergang von Blüten zu Früchten deutlich. Deutlicher noch sind diverse Obstsorten. Gerade bei Rhododendren konnte ich mich jedoch nicht erinnern dort jemals Samen gesehen zu haben, ebenso nicht bei Gänseblumen oder Vergissmeinnicht.

Ich habe zuerst gezögert einen Beitrag zu so einer lächerlich erscheinenden Frage zu verfassen. Da ich jedoch feststellen musste, dass mir diese Frage spontan auch kein anderer gerade verfügbare Mensch beantworten konnte und spontan allgemeine Unsicherheit herrschte, und auch Google mich erstaunt über diese Frage anblickte, hier ein paar kurze Gedanken dazu:

Antwort:

Natürlich entstehen keine Samen ohne ein vorheriges Bestäuben der Blüten. Soweit ist das aus dem Biologieunterricht klar.
Der Rest ist ebenso schnell klar: Blüten bilden immer eine Frucht mit Samen aus, es sei denn die Blüte ist nicht bestäubt worden oder die Pflanze wurde anderweitig manipuliert.

Sieht man also eine Pflanze mit verblühten Blüten, aber keinen Früchten oder Samen sind entweder:
– die Blüten nicht befruchtet worden,
– die Früchte oder Samen zu unscheinbar, unauffällig, sehr klein, nicht als solche erkannt worden (z.B durch Unkenntnis) oder alles zusammen (z.B.: Vergissmeinnicht, Rhododendron, Gänseblümchen)
-oder bereits abgefallen oder vom Winde davongetragen (z.B.: Löwenzahn als Pusteblume).

Unterschied zwischen Frucht und Samen

Im deutschen Sprachgebrauch wird oft nicht sauber zwischen „Früchten“ und „Samen“ getrennt (z.B. bei Pfefferkörnern, Esskastanien, Wal- und Haselnüssen, Gerstenkörnern, …). Der Begriff „Frucht“ ist zu dem auch nicht eindeutig definiert. Der Samen ensteht aus der Samenanlage der Blüte, die Frucht aus dem Fruchtknoten. Bei Früchten wird  zwischen Schließfrüchten (die Samen verbleiben in der Frucht) und Streufrüchten (die Samen werden freigesetzt) unterschieden (ausführlicher, aber gut verständlich, ist das hier nachzulesen).

Fazit:

Manchmal bringt es ein Tag im Grünen mit sich, dass man sich selbst mit merkwürdigen Fragen überrascht, die daher rühren, dass man vermeintlich Gewohntem gegenüber abstumpft, nicht mehr genau hinsieht, was zur Folge hat, dass man sich irgendwann solche Fragen stellt.

Vier Dinge, warum einem diese Fragen nützen können:

Erstens: Man bekommt für einen Moment Zweifel an seinem Wissen über die Welt und beschäftigt sich wieder mit Dingen, die man mal in Grundzügen gelernt hat und hat dann Spaß daran sein Wissen in dem Bereich nochmal aufzufrischen und zu vertiefen.
Zweitens: Durch die Eingangsfrage und Fragen wie „Wie heißt Deine Teetasse?“ oder „Was ist eine Teetasse (Baum, Blüte, Frucht, Samen, …)?“ schreckt man seinen Geist auf und regt ihn an genauer hin zu sehen und hinter die Fassade der Dinge zu blicken, wozu man sich im Alltag keine Zeit nimmt, weil es nicht unmittelbar oder überhaupt nicht dem täglichen Überleben dient.
Drittens: Man kann Andere durch lautes Ausformulieren solcher Fragen ebenfalls zum Nachdenken anregen.
Und viertens: Hat man einen erneuten Anreiz wieder auf die kleinen, unscheinbaren Dinge im Leben zu achten und zu versuchen sie als das zu erkennen, was sie tatsächlich sind.

Silberne Grüße,
Runa

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