Tote Bücher – Die historische Entwicklung der Bücherverbrennung

Bücherverbrennung Buchhandlung Buenos Aires

Lebendige Bücher in einer Fachbuchhandlung in Buenos Aires, Argentinien

Der Begriff der Bücherverbrennung lässt in Deutschland bei vielen sofort die Bücherverbrennung von 1933 in der Zeit des NS-Regimes assoziieren. Die Bücherverbrennung kann aber nicht alleine auf die am Tag des 10. Mai im Jahre 1933 reduziert werden. Zum einen handelte es sich bei diesem Datum um ein inszeniertes Datum, an dem gar nicht alle Verbrennungen stattfanden und zum anderen ist sie zwar eine der Bekanntesten, aber leider längst nicht die einzige Bücherverbrennung in der Geschichte.

Die Bücherverbrennung im historischen Kontext

Bücher hatten für Menschen immer schon eine besondere Bedeutung. Sie konnten Wissen aus vergangenen Zeiten bereithalten und die Worte von sowohl räumlich als auch zeitlich entfernten Menschen beinhalten, bewahren und weitergeben. Dadurch bildete sich schon früh die Vorstellung, dass durch die niedergeschriebenen Worte auch Kräfte und Wesen auf das Papier gebannt wurden und dann an anderen Orten und zu anderen Zeiten wirken konnten. Unter anderem waren es diese Vorstellungen, die die Menschen dazu brachten als Mittel der Vernichtung von Büchern das Feuer zu nutzen. Die Wesen und Kräfte, die dem damaligen Volksglauben nach, auf dem Papier entstanden waren, konnten durch Feuer wieder vollkommen unschädlich gemacht werden. Naheliegend sind aber auch rein praktische, vernünftige Gründe für die Wahl des Feuers als Vernichtungsmittel. Übliches Buchpapier wird durch Feuer tatsächlich sehr wirksam und endgültig zerstört. Oft wurde vor der Verbrennung der Bücher noch ihr Zerreißen angeordnet. So vorbereitet konnten die Flammen auch kompaktere Bücher komplett zerstören.

Bücherverbrennungen vor 1933

Bücher und Schriften wurden schon vor über 2000 Jahren verbrannt. Durch die Jahrtausende hindurch ist das Verbrennen von Büchern immer wieder praktiziert worden. Das Verbrennen von Büchern war und ist aber nicht das einzige Mittel gewesen, das zur Anwendung kam, um sich von Büchern und den darin niedergeschriebenen Ansichten und Meinungen zu entledigen, die von Machthabern missbilligt wurden.
Bücher wurden in der Historie auch zerrissen, ins Wasser geworfen, palimpsetiert oder einfach verborgen. Wie oben bereits erwähnt, ist in der Historie der 10. Mai 1933 nicht alleiniger Tag einer Bücherverbrennung. Neben der Bücherverbrennung 1933 sind auch andere Bücherverbrennungen heute noch besonders bekannt. Im Jahr 1520 verbrannte Martin Luther sowohl Bücher und Schriften als auch eine päpstliche Bulle. Diese hatte ihn erst dazu veranlasst als öffentliche Gegenmaßnahme gegen den Inhalt dieser Bulle diese zu verbrennen. 1817 wurden auf dem Wartburgfest ebenfalls Bücher verbrannt, sowie 1364 eine Verbrennung jesuitischer Schriften in Madrid stattfand. Bücherverbrennung ist aber kein allein Europäisches Phänomen, sondern ist auch in anderen Kulturkreisen praktiziert worden. Die Bücherverbrennung war vor und nach Luther immer schon eine Strafe geistlicher und weltlicher Bücherzensur gewesen und sogar bis ins 19. Jahrhundert ein nach juristischen Vorgaben vollzogener Akt. Dennoch sind die Ereignisse, die bei dem Begriff Bücherverbrennung am meisten assoziiert werden, oft meistens nur die oben genannten: Luthers Bücherverbrennung, die Bücherverbrennung der Studenten auf dem Wartburgfest und die Bücherverbrennung von 1933 unter dem Nationalsozialistischen Regime.

Und heute?

Im Zeitalter des Internets scheint Bücherverbrennung nicht mehr die große Gefahr zu sein. Zensur und eingeschränkte Meinungsfreiheit gibt es aber heute auch noch. Auf den ersten Blick scheint das deutsche Grundgesetzes gegen eine weitere Bücherverbrennung in Deutschland zu schützen, indem dort geregelt ist, was publiziert werden darf und was zum Schutze der gesellschaftlichen und ethischen Werte in Deutschland nicht veröffentlicht oder nur in zensierter Form erscheinen darf. Es ist aber zu beachten, dass eine Bücherverbrennung sehr oft Teil eines übergeordneten Prozesses in einer Gesellschaft ist und selten als solche mit einfachen Mitteln verhindert werden kann. Um eine Gesellschaft wirkungsvoll vor Bücherverbrennungen zu schützen, reichen Gesetze allein nicht aus. Sie können immer verändert oder außer Kraft gesetzt werden. Viele der Taten der Nationalsozialisten, die aus heutiger Sicht moralisch und auch strafrechtlich falsch waren, waren zu der damaligen Zeit zwar nicht direkt legal, da die Weimarer Verfassung theoretisch noch in Kraft war, aber sie wurden zumindest offiziell nicht geahndet. Ein wirksamerer Schutz gegen erneute Bücherverbrennung kann nur ehrliche, allgemeine Aufklärung und Akzeptanz der Menschen untereinander leisten. Die Ereignisse der Bücherverbrennung können der heutigen Gesellschaft als Mahnmal dienen. Deshalb ist es auch mehr als 80 Jahre nach der Bücherverbrennung von 1933 wichtig sich weiterhin mit dem Ritual der Bücherverbrennung zu beschäftigen und dieses und seine verheerenden Folgen in Erinnerung zu behalten.

In diesem Sinne,
silberne Grüße,
Runa

 

Fall Du noch mehr dazu wissen möchtest, schau mal hier:

-Weitere Bücherverbrennungen: http://mediengeschichte.dnb.de/DBSMZBN/Content/DE/Zensur/06-buecherverbrennung-allgemein.html
-Gerhard Sauder: Die Bücherverbrennung: Zum 10. Mai 1933
-Hermann Rafetseder: Bücherverbrennungen. Die öffentliche Hinrichtung von Schriften im historischen Wandel.
-Sehr interessante Buch mit einem Kapitel über Bücherverbrennung: Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels (Beck’sche Reihe)
-Feuer als Mittel der Zerstörung: http://www.sueddeutsche.de/kultur/die-vorgeschichte-der-buecherverbrennung-ketzer-feuer-und-schrift-1.205449

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.